Ein Kleinbus als Container nach Liberia

Es war Mitte des Jahres 2013, als ich, der Vorsitzende der Hilfsorganisation „Help-Liberia“,  von einem meiner besten Freunde ein großartiges Angebot erhielt:

in Weilheim noch vor dem Kauf

in Weilheim noch vor dem Kauf

ich könne ihm seinen Mitsubishi L-300-Kleinbus zu einem günstigen Preis abkaufen; 2.000.- Euro.

Wir wurden uns schnell einig.

Denn als ich von seinem Angebot zuerst hörte, kamen mir sofort die Bilder von den vielen Märkten in Liberia vor Augen, auf denen man in Massen diese L-300 als Sammeltaxis sieht.

private Kleinbusse als Sammeltaxis in Monrovia

private Kleinbusse als Sammeltaxis in Monrovia

Mir schwebte ein gutes Geschäft vor, sind doch diese Autos in Liberia gemeinhin teuer und trotzdem könnte ich mit einem günstigen Preis den Menschen dort helfen. Nicht zu vergessen wäre in solch einem Kleinbus immens viel Platz, um ihn als Container zu benutzen.

Schon lange nämlich drückten wir uns mit unserer Hilfsorganisation vor der unsäglichen Logistik und Bürokratie, welche uns die deutschen und afrikanischen Behörden auferlegen.

Nun bräuchten wir das Auto ja nur, wie es viele andere Privatpersonen tun,  per Spedition verschiffen lassen.

Die Chance war wunderbar!

Norbert, mein Freund und ich, machten das Geschäft und ich fuhr das Auto, was für sein Alter und Laufleistung noch in einem guten Zustand war, von Weilheim nach Mammendorf.

mit Sitzbänken

mit Sitzbänken

Doch in Gesprächen mit erfahrenen Freunden aus der letzten Zeit hatten wir schlimme Dinge über Autotransporte nach Afrika erfahren:

Die Wagen würden aufgebrochen, teils bestechen organisierte Banden gar die Schiffsbesatzung, daß sie unterdeck in Ruhe die Autos knacken können. Und fast alle wissen von Erfahrungen, wonach Fenster eingeschlagen wurden und – nur die wertvollsten – Dinge daraus geklaut.

Genauso passierte es mit dem kleinen PKW Marke Toyota Pony meiner Ehefrau ein paar Monate vorher. Sie schickte das Auto von München nach Monrovia und versteckte natürlich solch in Liberia teure Dinge wie Computer etc. tief inmitten von Bergen voller Kleidung, womit jeder sonstige Kubikzentimeter vollgestopft war.

Erschreckend, daß nahezu alle Fahrzeuge, die wir auf diesem für Autotransporte nach Afrika spezialisierten Firmengelände stehen sahen, entsprechend präpariert waren. Das heißt, die Fensterscheiben der ebenso vollgepropften Wagen waren mit Kartons sichtgeschützt und viele Türen punktverschweißt.

Doch auch die Erinnerung an den April 2013 in Liberia trug zu meiner Entscheidung bei. Da nämlich suchten unsere Mitarbeiter tatsächlich einen ganzen langen Tag nach einem nicht mal Viertel-Quadratmeter großem Blech, das wir als Büroschild verwenden wollten.

Blechschild über unserm Büro

Blechschild über unserm Büro

Blech ist in Liberia nach 14 Jahren Krieg ein ganz großes Mangelgut!

Drei Bleche von bester Qualität kaufte ich und mein damaliger Vermieter, Benno Thalhofer von der Holzmühl, verschweißte in mühevoller und trotzdem freiwilliger Arbeit damit die Fenster mit Ausnahme der vorderen.

Benno Thalhofer schweißt die Bleche auf die Fenster in Holzmühl

Benno Thalhofer schweißt die Bleche auf die Fenster in Holzmühl

Nun konnten wir den Bus vollpacken, nachdem die Sitze ausgebaut und klein zusammen gelegt waren. Immerhin wollte ich die Option offenhalten, ihn in Liberia als Taxi laufen zu lassen.

Ungezählte Diskussionen, meist hoch emotional, gab es auf deutscher wie liberianischer Seite, als ich die Idee auf den Tisch brachte, das Fahrzeug als Ambulanz für die Organisation zu spenden.

ein Meeting zum Thema Bus-Verwendung

ein Meeting zum Thema Bus-Verwendung

Doch vor allem das Argument des Haftungsrechts ließ uns davor zurückschrecken, den Bus jemandem ohne Fahrerfahrung für den Busch zu überlassen.

links die neue Brücke am Yeame-Highway

links die neue Brücke am Yeame-Highway

Soviele Dinge hatten wir gespendet bekommen; von der Arztpraxis Dr. Tausend, dem Seniorenheim Jesenwang, der Solar-Firma Breier/Regensol in Olching und etlichen Privatleuten. Unser Schatzmeister Johannes Mayer packte dann den Bus so kunstvoll, daß nicht mal mehr für eine Maus Platz gewesen wäre, sondern auch jeder Zugang vom Fahrerraum unmöglich war.

gerade die Tür lässt sich noch schliessen

gerade die Tür lässt sich noch schliessen

Dieser mußte nämlich frei bleiben, weil die Autos ja vom Sattelschlepper bzw. Hafen auf die Fähre gefahren werden.

kein Zugang vom Fahrersitz in den Laderaum

kein Zugang vom Fahrersitz in den Laderaum

Zum Schluß schweißte Benno Thalhofer sogar noch die Türen zu ( bis auf die vorderen ). So war wirklich nichts mehr, an was zum Stehlen man herankommen könnte; – dachten wir!

Verschweißen der Türen

Verschweißen der Türen

Bei den Transportkosten von 1.200.- Euro unterstützte uns ganz stark die Münchner Organisation „Hirn-Herz-Hand“, wofür wir auch herzlich danken. Ebenso für die Rollstühle und Infusionständer aus Jesenwang.

Im Februar 2014 ging dann unser Bus als Klein-Container nach ca. einem Jahr Vorbereitungszeit auf große Fahrt.

bei der Spedition kurz vor der Verschiffung

bei der Spedition kurz vor der Verschiffung

Doch ebenso lang sollte auch fast die Wartezeit auf seine Ankunft sein.

Dabei hatten wir größtes Bangen, denn es ist ein offenes Geheimnis, daß auch im Hafen die Korruption blüht. Aber auch so kann das Herauslösen einer Schiffsfracht ein teures Abenteuer sein, kostet doch jeder Tag nach einer kleinen versäumten Liegefrist im Hafen sage und schreibe 100.- US-Dollar – täglich wohlgemerkt!

Zu unserem großen Glück hatten wir einen guten Freund, der uns viel half; Erich Munz. Ein Deutscher, der schon seit über vier Jahrzehnten in Liberia lebt und im Hafengelände eine Werkstatt besitzt.

Mittels eines Schiffsverfolgungsprogramm von ihm konnten wir so immer frustrierter ersehen, daß „unser“ Frachter mit dem Bus noch vor einer ganz andern Küste auf Anker liegt. So kam es, daß uns Erich doch ganz allein ohne meine Präsenz im April das Auto mit den Hilfsgütern aus dem Hafengelände heraus bringen mußte.

endlich in Monrovia

endlich in Monrovia

Nun steht es noch bei ihm in seinem Garten und wartet auf die weitere Verwendung, wenn ich am 1. März 2015 für wieder fast zwei Monate in Liberia bin. Er renovierte den Wagen, so daß er nun für jede Verwendung frei ist.

renoviert nach der Ankunft

renoviert nach der Ankunft

Der Inhalt ist natürlich schon längst verteilt. Die Mediziner sind glücklich über die metallenen Infusionsständer, die nicht mehr von den Termiten zerfressen werden können; die Rollstühle stehen für die gebrechlichen Patienten im Wartebereich der Clinicen bereit und so weiter.

vor der Mawah-Clinic Dez. 2014

vor der Mawah-Clinic Dez. 2014

Doch was ist nun doch gestohlen worden trotz massivster Sicherungen am Fahrzeug?

Die Autobatterie. Sie befand sich unterm Fahrersitz und der mußte ja bekanntermaßen frei bleiben.

Liberia; – ein armes Land, aber mit cleveren Menschen.

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